Was für ein Bild von einem Hund
Gestern Abend habe ich Muck gebürstet, gekämmt und ein ganz klein wenig getrimmt. Nun gehen wir auf unseren Morgengang. Er schaut zu mir hoch - in seinem lieben Gesicht leuchtet die Freude. Die weichen Haare betonen die wunderschönen, zutraulich blickenden Augen. Hinter den Ohren stehen die zarten Härchen leicht hoch, gerade so, dass sie noch als Büschel erkennbar sind. Die Nackenhaare liegen gut an, die Brusthaare ordnen sich schön in die geschwungene Körperlinie. Das goldene Rückenfell schimmert in der Sonne. An den Beinen stehen die nicht sehr langen Federn anmutig ab.
Das schönste aber ist Mucks Rute: Mit nur mäßig viel Behang spreizt sie sich locker im Wind wie ein Bieberschwanz. Muck trägt die Rute selbstbewusst erhoben, und während er vergnügt vor mir hertrabt, wiegt sie sich rhythmisch von einer Seite zur anderen. Dabei leuchtet die winzige weiße Haarspitze mitten in diesem Bieberschwanz wie ein Gegenpol zum zarten hellen Fleck auf seiner Stirn.
Was für ein Bild von einem Hund!
Anderthalb Stunden später kommen wir zurück. Muck ist schwarzbraun mit Schmutz überzogen, nur der goldene Rücken und ein wenig Rute sind noch erkennbar. Das Gesicht ist feucht, dunkel gestreift und mit Grashalmen verziert. Hinter den Ohren hat sich eine dicke, etwas streng duftende Kruste gebildet. Seinen Kopf und eine Seite hat er mit Muck-farbenem Laub eingepudert und verschönt. Trotzdem erscheint er mit dem nassen Fell viel schmaler. Von den Beinen und dem Bauch tropfen dunkle Rinnsale ab. Aber die zerzauste Rute wedelt noch immer vergnügt und zutraulich durch die Welt. Und die Augen lachen vor Lebenslust.
Was für ein Bild von einem Hund!
Da reicht kein Gartenschlauch. Also steigen wir gemeinsam in die Duschkabine, vor der Muck solche Angst hat. Da steht er und rührt sich nicht von der Stelle - wie das Trojanische Pferd. Selbst das riesige Handtuch lässt er geduldig überwerfen, so dass wir heute die Prozedur weitgehend erfolgreich beenden können.
Da liegt er nun, frottiert und glücklich, dass diese Mühe überstanden ist, auf seiner Decke und träumt von den vielen Pfützen und Schlammmulden, die es noch zu entdecken gibt. An diesem Nachmittag geht er gesittet an der Leine.
Was für ein Bild von einem Hund!
Und am nächsten Morgen...