Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Glaukom entwickeln stĂ€rkere SchĂ€den am Sehnerven als andere Glaukompatienten. Umfangreiches Wissen liegt dazu vor. Wegen der auĂerordentlichen Wichtigkeit der Blutdruckregulation bei Glaukompatienten, soll im Folgenden noch einmal gesondert darauf eingegangen werden.
Augeninnendruck und Blutdruck stehen in einer komplizierten Relation. Patienten mit primÀrem Offenwinkelglaukom (POWG) haben sehr hÀufig einen erhöhten Blutdruck, aber nicht jeder Patient mit hohem Blutdruck hat auch ein Glaukom. Andererseits findet man bei Patienten mit dem Normaldruckglaukom (NDG) eher eine Kombination mit erniedrigtem Blutdruck, aber ebenfalls hat nicht jeder Mensch mit niedrigem Blutdruck ein Normaldruckglaukom. Dennoch hÀngen die Augeninnendrucksituation und das Krankheitsbild Glaukom sehr stark vom Blutdruck ab.
Das POWG kann sowohl mit erhöhten wie erniedrigten Blutdruckwerten einhergehen, ist aber statistisch hÀufiger mit Hypertonie (Bluthochdruck) verbunden. Insgesamt kommt die arterielle Hypertonie beim primÀren Offenwinkelglaukom hÀufiger vor als in der Normalbevölkerung und beeinflusst durch seine mikrozirkulatorischen Störungen die Augendurchblutung und die Empfindlichkeit des Sehnerven. Bei Patienten mit NDG beobachtete man eine komplett gestörte Tagesrhythmik des autonomen Nervensystems, was sich in einer gestörten Durchblutung des Körpers, auch verschiedener Organe, aber besonders der Augen bemerkbar macht.
FĂŒr den Augenarzt ist es wichtig, beim Glaukompatienten eine möglichst maximale Augeninnendrucksenkung zu erreichen. FĂŒr den Internisten ist es wichtig, dass die systemische Kreislaufsituation genauestens ĂŒberwacht und ein normalisiertes Tag-Nacht-Verhalten des Blutdrucks erreicht wird.
GrundsĂ€tzlich ist bei jedem Glaukompatienten mindestens einmal jĂ€hrlich eine 24-Stunden-Blutdruckkontrolle erforderlich! Die individuelle Blutdrucksituation hat groĂen Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung, z. B. ob es sich um einen âNon-Dipperâ oder âExtremdipperâ handelt. Non-Dipper bedeutet ein Fehlen der natĂŒrlichen Blutdruckabsenkung (âdippingâ) in der Nacht. Dieses kann bei Patienten mit Bluthochdruck zu einem Anstieg der kardiovaskulĂ€ren MorbiditĂ€t und MortalitĂ€t fĂŒhren.