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Leseprobe


Schmerzen müssen nicht sein
Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten der therapeutischen Schmerzbehandlung. Doch das Ziel ist immer das gleiche: Chronische Schmerzen sollen so weit wie möglich gedämpft oder gar ganz ausgeschaltet werden.
Auch in früheren Zeiten versuchte man, leidgeprüften Menschen Erleichterung zu verschaffen, manchmal allerdings mit recht abenteuerlichen Methoden. Denn für unsere Vorfahren war Schmerz eine von bösen Geistern und Dämonen ausgesandte magische Kraft, die es zu vertreiben galt. Medizinmänner und Schamanen waren hoch angesehene Persönlichkeiten, denn nur sie alleine waren in der Lage, die Menschen vor den Einflüssen dieser dämonischen Geistwesen zu bewahren. Oder, wenn sie bereits von einem Körper Besitz ergriffen hatten, kannten sie verschieden Behandlungsmaßnahmen, wie das Einritzen der Haut oder das Bohren eines Loches in den Schädel, um den Geistern Wege zu bahnen, damit diese wieder aus dem Körper entweichen. Zum Fernhalten oder Vertreiben von Dämonen und bösen Geistern diente auch der Zauber von Amuletten, Talismännern und Ritualen.
Heilkundige aller Kulturen verfügten außerdem über ein umfangreiches Wissen, welche Pflanzen und Kräuter schmerzlindernde und/oder entzündungshemmende Kräfte besaßen. Die Verwendung schmerzstillender Mixturen wurde beispielsweise in den Schriften des Altertums festgehalten. Und viele dieser Bräuche und Kenntnisse finden sich auch heute noch bei einigen Naturvölkern.

Die Entwicklung der Schmerztherapie

Vorweg gesagt: Das medizinische Fachgebiet der Schmerztherapie ist noch relativ jung, weil die Medizin über viele Jahre hinweg eher von einer Art „Reparaturmentalität“ bestimmt war: Zahlreiche Krankheiten konnten durch neue Medikamente und neue Techniken viel frühzeitiger und effektiver behandelt werden. Chronische Krankheiten wie die Chronifizierung des Schmerzes dagegen gerieten dadurch immer mehr aus dem Blickfeld.
Erst in den letzten Jahrzehnten wurde der Schwerpunkt wieder mehr auf das Erforschen chronischer Krankheitszustände verlegt: Zahlreiche Bemühungen verschiedener nationaler und internationaler Organisationen und Einzelpersonen, die sich eine Besserung der Situation chronisch schmerzkranker wünschten, gipfelten in einer Unmenge von therapeutischen Konzepten und Versuchen, das Schmerzerleben dahingehend zu beeinflussen, dass es den Menschen möglichst wenig belastet. Aufgrund dessen entwickelte sich in der modernen Medizin allmählich der Bereich der Schmerztherapie. Darüber hinaus führten neue Forschungsergebnisse, zum Beispiel im Rahmen der Entwicklung neuer anästhesiologischer Verfahren, sowie die zunehmende Aufklärung und das Verständnis verschiedener Körperfunktionen, zu einer Änderung bestehender medizinischer Grundsätze: Der chronische Schmerz muss nicht mehr als Schicksal einfach hingenommen werden.