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Leseprobe


Psyche und Magen

Der Magen ist mehr als nur ein Sack, der Verdauungssäfte produziert. Um die Nahrung zu verarbeiten, zieht er sich rhythmisch zusammen (Peristaltik). Das Nervensystem des Magen-Darmtraktes ist mit dem Großhirn verbunden, in dem auch Gedanken und Gefühle verarbeitet werden. Es ist etwas dran an der Redensart, dass einem unangenehme Erlebnisse „auf den Magen schlagen können“.
    Bei zwei von drei Menschen, die wegen Magenbeschwerden einen Arzt aufsuchen, kann eine körperliche Erkrankung wie etwa eine Entzündung ausgeschlossen werden. Man spricht dann von einem Reizmagen oder in der Fachsprache von einer funktionellen Dyspepsie.
    Mittlerweile ist es unumstritten, dass psychische und soziale Faktoren einen starken Einfluss auf den Magen haben können. Stress, Angst, Ärger in der Familie oder im Beruf sind nur einige de Möglichkeiten von seelischen Belastungen, die auch dem Magen zusetzen können. Die Beschwerden, die so entstehen können, sind keine Einbildung. Sie sind auch physikalisch und chemisch nachweisbar.
    Ob sich aus solchen Belastungen Beschwerden entwickeln, hängt vom Umgang mit ihnen ab. Frauen sind etwa zwei bis drei mal häufiger davon betroffen als Männer. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Männer eher dazu neigen, ihrem Herzen auch einmal Luft zu machen und nicht alles in sich hineinzufressen.
    Psychische Faktoren können das Immunsystem beeinflussen. Auf diese Weise können sie mit auf den Körper wirken und psychosomatische Krankheiten auslösen. Ebenso können Stress und Ärger auf das Nervensystem wirken, die Magenbewegungen beeinflussen und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen.

Wie macht sich ein Reizmagen bemerkbar?

Von einem Reizmagen verursachte Beschwerden können vielfältig sein: Übelkeit und Brechreiz, Völlegefühl oder das eines aufgetriebenen Bauches können ebenso auftreten wie ein vorzeitiges Sättigungsgefühl oder ungewöhnliche Bauchschmerzen bei Hunger, die sich mit dem Essen verlieren. Die Schmerzempfindlichkeit kann steigen, Verdauungszeiten können sich verlängern oder verkürzen und Empfindlichkeiten gegen bestimmte Stoffe auftreten, die den Magen zusätzlich reizen.
    Diese Unverträglichkeiten sind nicht zu verwechseln mit einer Allergie. Häufiger als echte Allergien tritt es auf, dass manche Menschen auf bestimmte Stoffe mit Bauchschmerzen oder Durchfällen reagieren. Neben Alkohol und Koffein wird häufig Milchzucker nicht vertragen, der in allen aus Milch hergestellten Lebensmitteln enthalten ist. Auch Fructose und Sorbit, die oft in kalorienreduzierten Lebensmitteln eingesetzt werden, verursachen häufig derartige Probleme.
    Ganz ähnlich wie der Magen kann auch der Darm gereizt sein. Auf die Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten von Reizmagen und Reizdarm wird daher im Kapitel über den Darm eingegangen. Grundsätzlich geht man aber dann von einem Reizmagen aus, wenn durch Laboruntersuchungen von Blut und Stuhl, durch Ultraschall, Magenspiegelung usw. ausgeschlossen werden kann, dass eine andere Erkrankung wie etwa eine Entzündung oder ein Magengeschwür vorliegt.